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Georg Willi und die Innsbrucker Grünen wollen Tram-Ausbau fortsetzen
Grünes Wahlprogramm mit zahlreichen Öffi-Projekten
04/08/2024

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Als Ersatzgemeinderat und Mobilitätsexperte der Innsbrucker Grünen, Herausgeber dieses Mediums und aktiv Beteiligter am Entstehungsprozess des grünen Wahlprogramms 2024 und grüner Initiativen im Bereich des öffentlichen Verkehrs richte ich mich hier ausnahmsweise direkt in Form eines Kommentars an unsere Leserschaft. Ich bin überzeugt davon, dass wir Grünen das Rüstzeug haben, um den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in Innsbruck in die Zukunft weiterzutragen. Der Vergleich der Wahlprogramme der verschiedenen Parteien für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl am 14. April zeigt, dass außer den Innsbrucker Grünen kaum eine Partei die Notwendigkeiten der Mobilitätswende vollständig erkannt und den dringend notwendigen weiteren Ausbau der Tram als leistungsfähiges Rückgrat des Innsbrucker Nahverkehrs in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat. Allenfalls Andeutungen sind zu finden. Manche Parteien präsentieren überhaupt nur Grundsätze, in die vieles hineininterpretiert werden kann, oder versprechen wenig sinnvolle Gadgetbahnen wie die "urbane Seilbahn" vom Leipziger Platz ins Mittelgebirge. Klare Vorstellungen bis hinunter zur Projekt- und Umsetzungsebene scheinen nur wir Grünen zu haben. In diesem Sinn stelle ich hier die wichtigsten Punkte aus dem Mobilitätsprogramm von Georg Willi und den Innsbrucker Grünen kurz vor. Wie bereits 2018 sollen so viele davon wie möglich im Rahmen der Koalitionsverhandlungen im Arbeitsprogramm der nächsten Stadtregierung verankert werden.

Ohnehin bereits in Umsetzung mit baldigem Baubeginn ist die weitere Verlängerung der Linie 5 nach Westen, von Kranebitten bis Völs. Hier konnte gegen viele Widerstände erstmals eine zeitgemäße Trassierung auf Grüngleisen erzielt werden (Artikel darüber von 2022).

Im grünen Wahlprogramm findet sich auch die bereits vor drei Jahren angekündigte und relativ schnell realisierbare „Tivolitram“ im Zuge einer Schienenverbindung zwischen den beiden südlichen Endstellen der Linien 1 und 3, Bergisel und Amras, wie bereits 2021 auch hier angekündigt. Die Tivolitram erschließt das zukünftige Neubauquartier Tivoli Süd und erhöht die Betriebssicherheit im Tramnetz, da über die neue Strecke alternativ zum Betriebshof und den Depots Pastorstraße und Duilestraße zugefahren werden kann. Auch kann sie mit kleinen Anpassungen im innerstädtischen Gleisnetz als dritte Ost-West-Verbindung zur Umfahrung der Innenstadt dienen, falls sowohl die nördliche als auch die südliche Innenstadtquerung ausfallen.

Die Linie 3 soll nach Wunsch der Bürgermeisterpartei in Zukunft nicht mehr die wenig praktische großräumige Einrichtungs-Schleife durch die Innenstadt fahren, sondern die Innenstadt gleich wie die Linie 5 am südlichen Korridor durchqueren und bei "EKZ West" wenden. Bereits jetzt fahren täglich zwei Frühkurse der Linie 3 bis dorthin. Diese sofort und ohne Baumaßnahmen realisierbare Verlängerung erfordert einen zusätzlichen Kurs, der durch die ebenfalls von den Grünen geforderte Beschleunigung und Optimierung der Linie 3 in weiterer Folge allerdings eingespart werden kann.

Doch für die Linie 3 soll das nur der erste Schritt sein: ganz oben auf der grünen Prioritätenliste steht die Tram zum Universitätssportinstitut und eventuell weiter zum Flughafen, denn der Westast der Buslinie R, der diese Relation derzeit bedient, ist bereits überlastet. Hier wollen die Grünen eine schnelle Umsetzung in der kommenden Gemeinderatsperiode erreichen, zumal der Grundsatzbeschluss dafür schon längst existiert.

Bürgermeister Georg Willi hat die Linie 6 ausgebaut und den täglichen Betrieb wieder eingeführt, noch im Frühsommer geht die Verlängerung der "Waldbahn" bis in den Norden der Stadt in Betrieb — zuletzt wurde der tägliche Vollbetrieb wieder aufgenommen. Doch auch das soll nur der erste Schritt sein. Eine Ausdehnung der Betriebszeit in die Nachtstunden steht genauso auf der Vorhabensliste der Grünen wie Intervallverdichtungen zu bestimmten Zeiten, da die Bahnen der Linie 6 bereits jetzt manchmal überfüllt sind.
Jedenfalls soll die Linie 6 nach Wunsch der Grünen nach dem dreijährigen Probebetrieb weiter ausgebaut werden. Dazu gehört die Errichtung neuer Haltestellen bei Mühlsee und Romedihof, die Verlängerung nach Igls-Ortsmitte, aber auch die Entwicklung der vom Land geplanten Tram nach Aldrans, die die Strecke der Linie 6 mitbenützen und von ihr abzweigen soll. Schon zur Gemeinderatswahl 2018 hatten die Grünen ihre kurz- und langfristigen Pläne für die Linie 6 offengelegt (Zukunftsperspektiven für die Linie 6), der erste Teil ist nun umgesetzt.
Ein beschlussreifes Konzept für den künftig in höherem Maß von der öffentlichen Hand zu finanzierenden öffentlichen Verkehr in Innsbruck und Tirol gemeinsam mit dem Land fordern die Grünen in ihrem Wahlprogramm. Der ÖV muss als Hauptträger der Mobilitätswende rasch weiter ausgebaut, sein Ressourcenverbrauch optimiert, unnötige Kosten eliminiert und die Pünktlichkeit maximiert werden, z.B. mittels Beschleunigung von Bahnen und Bussen durch Beseitigung von Hindernissen und verbesserte ÖV-Bevorrangung.

Die ebenfalls von den Grünen initiierte langfristige Schienenverkehrsstudie für den Großraum Innsbruck soll zur Leitlinie des weiteren Schienennetz-Ausbaus werden. Die Studie steht kurz vor der Fertigstellung und soll noch vor dem Sommer verfügbar werden. Aus ihr wird dann der "Masterplan Schienenverkehr" entstehen. Die Grünen setzen sich gemäß dieses Masterplans für den Ausbau Linie 5 nach Hall ein sowie für alle anderen Schienennetz-Ausbaumaßnahmen, welche die Studie vorschlagen wird.

Auch die Prüfung eines Tramtunnels unter dem Hauptbahnhof findet sich im grünen Wahlprogramm. Diese alte Forderung hat in der Zwischenzeit seit Veröffentlichung des Wahlprogramms neue Aspekte bekommen, da die ÖBB bekanntgegeben hat, die ebenfalls schon lange projektierte Rad- und Fußbrücke über den Hauptbahnhof in ihr Modernisierungsprogramm für den Hauptbahnhof zu integrieren. Hier wollen die Grünen prüfen lassen, ob diese Brücke in Verlängerung der Heiliggeiststraße auch die Strecke Linien 3 und 5 aufnehmen kann, mit einer Haltestelle direkt über den Bahnsteigen der Vollbahn. Ähnliche Brücken gibt es bereits in mehreren Städten, so etwa die direkt vergleichbare Stühlingerbrücke in Innsbrucks Partnerstadt Freiburg.

Im grünen Wahlprogramm finden sich auch der bereits projektierte barrierefreie Ausbau des Westbahnhofs und der Ausbau vorhandener bzw. der Bau neuer S-Bahnhöfe (Wifi, Hötting, Kranebitten, Sieglanger, Allerheiligen). Bei der S-Bahn wollen die Grünen vor allem die bereits in Planung befindliche Verdichtung der S2 im Abschnitt Kranebitten – Allerheiligen – Hötting – Westbahnhof – Hauptbahnhof mit neuer Wendeanlage in Kranebitten entwickeln und vorantreiben.

Auch das Busnetz findet sich im grünen Programm: die Dekarbonisierung soll möglichst schnell fortgeführt werden. Bis 2030 soll ein Großteil der Dieselbusflotte der IVB auf E-Busse und Trolleybusse umgestellt sein, die vollständige Umstellung ist bis 2035 anvisiert.

Darüberhinaus gibt es noch eine ganze Reihe bereits laufender kleinerer und größerer Projekte, die nicht im Wahlprogramm stehen, wie beispielsweise die weitere Optimierung der Bevorrangung von Bahnen und Bussen an allen Ampeln. Nur ein grüner Bürgermeister und ein grünes Mobilitätsressort sind Garant für deren Fortführung. Ich lade deshalb alle, die in Innsbruck wählen dürfen, ein, mit ihrer Stimme Georg Willi und die Innsbrucker Grünen für all diese Vorhaben zu stärken und bedanke mich für euer Vertrauen!
Manni Schneiderbauer
P.S.: vor der letzten Wahl habe ich ebenfalls zur Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl das bisher letzte Editorial für diese Website geschrieben — es ist doch einiges von dem gelungen, was dort angekündigt wurde!

> "Ich will freie Fahrt" - Mobilitätsprogramm der Innsbrucker Grünen
> Wahlprogramm 2024 - Innsbruck auf Zukunftskurs als PDF

(mps)

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